Wie sich das auf die Finanzmärkte auswirkt, ist eine ganz andere Frage. Bei fallenden Kursen heißt es, die Märkte seien nervös oder sogar panisch. Geht es wieder aufwärts, wird schon tags darauf plötzlich Zuversicht gemeldet. So geht es jetzt schon seit Wochen immer wieder hin und her. Die Folge: Wer in der Presse Orientierung sucht, kann sich nur die Augen reiben.
Ob Party oder Weltuntergang – als Anleger oder Unternehmer können Sie zwischen beidem wählen. Was tatsächlich auf uns zukommt, dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Partylaune wäre eindeutig verfrüht. Tatsache ist aber auch, dass die Welt noch nie untergegangen ist.
Nach dem Beinahe-Crash fallen Konjunktur- und Markteinschätzungen zum Teil sehr pessimistisch aus. Kurzfristige Ereignisse lösen Reaktionen aus, die sich bei näherer Betrachtung als völlig überzogen erweisen. Es sind nicht mehr nur die Börsen, die zum extremen Überschießen neigen. Auch Meinungen sind überspitzt. Je lauter und markanter sie sind, desto größer ist ihr Aufmerksamkeitswert, nicht aber ihre Treffsicherheit.
Ich kann Ihnen nur raten, sich in Ihren Entscheidungen von extremen Ansichten nicht beeinflussen zu lassen. Dazu zähle ich sämtliche Crash-Propheten, die schon fast krankhaft übersteigert den Untergang predigen. Selbstverständlich ist nicht auszuschließen, dass die Volkswirtschaften in eine neue Rezession rutschen. In Zeltlagern kampierende Arbeitslose muss bei uns aber niemand ernsthaft befürchten.
Natürlich werden schlechte konjunkturelle Fundamentaldaten negativ auf die Börsen durchschlagen. Es kann zu substanziellen Störungen kommen. Irgendwann bilden sich aber wieder marktkonforme Preise. Heftigen Einbrüchen können schnelle Aufwärtsbewegungen folgen. Das dürfte auch künftig so bleiben. Von Ihren längerfristigen Anlagezielen sollten Sie sich deshalb nicht abbringen lassen.
(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 35/2010)