Lebensversicherung II: Kündigung bringt Verluste

Kündigung bringt meist Verluste

Viele Versicherte empfinden ihre Lebensversicherung als Klotz am Bein.

Schuld daran sind die immer geringeren Renditen, die erwirtschaftet werden.

Deshalb wird schon jede 2. Lebensversicherung vorzeitig gekündigt.

Doch das ist meist ein Verlustgeschäft.

 

Verzinsung von Lebensversicherungen im stetigen Rückgang

Die Statistiken zeigen es: Lebensversicherungen werfen immer weniger ab. Konnten vor 20 Jahren noch Renditen von deutlich über 7% erwirtschaftet werden, ist die Gesamtverzinsung mittlerweile auf unter 4% gefallen.

Das liegt zum einen dran, dass die Garantiezinsen im gleichen Zeitraum mehr als halbiert werden mussten. Zum anderen sorgt das seit Jahren vorhandene Niedrigzins-Umfeld dafür, dass die Versicherer kaum noch attraktive Anlagen finden.

 

Versicherer suchen nach neuen Modellen

Eine Besserung ist kaum in Sicht. Zwar wollen mehrere Versicherer in Zukunft Policen anbieten, die nicht mehr auf den Garantiezins abstellen.

Damit erhoffen sie sich größere Flexibilität bei der Anlage und damit wieder steigende Renditen.

Doch ist das ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Und es widerspricht im Kern der Grundidee von Lebensversicherungen, die ja auf höchstmögliche Sicherheit abstellt.

 

Bei einer Kündigung tappen Versicherte in die Kostenfalle

Deshalb wollen viele Versicherte ihre Lebensversicherung wieder loswerden. Und tappen dabei in die Kostenfalle. Dazu müssen Sie wissen:

Durchschnittlich nur 65% bis 70% Ihrer Prämien bilden den sogenannten Ertragsanteil, werden also verzinst und bei der Überschussbeteiligung berücksichtigt. Der Rest geht für Verwaltungs- und andere Kosten drauf.

So lange die Lebensversicherung läuft, fällt das kaum auf. Sichtbar wird es meist erst, wenn man die Lebensversicherung kündigen will.

Denn dann spiegelt der so genannte Rückkaufswert genau diese Situation wider.

 

Rückkaufswert liegt unter den Prämienzahlungen

Im Klartext: Sie erhalten beim Rückkaufswert grob gerechnet nur den Ertragsanteil plus einer Verzinsung zurück. Die vorher abgezogenen Kostenanteile gehen verloren.

So ist auch zu erklären, warum die Rückkaufswerte gerade in den Anfangsjahren noch deutlich tiefer sind. Denn anfänglich werden auch noch Abschlusskosten und –provisionen mit eingerechnet, die den Rückkaufswert zusätzlich drücken.

Daraus resultiert, dass Sie in der Regel bei einer Kündigung weniger herausbekommen als Sie eingezahlt haben.

Wie bei einem Verkauf müssen Sie sich auch bei der Kündigung mit den steuerlichen Folgen auseinandersetzen. Hierbei gibt es 4 übliche Szenarien:

 

Abschluss der Lebensversicherung vor 2005

  • Szenario 1: Kündigung nach 12 Jahren Laufzeit

Wenn der Vertrag bereits mehr als 12 Jahre gelaufen ist, ist der Zinsanteil im Rückkaufswert steuerfrei.

  • Szenario 2: Kündigung vor 12 Jahren Laufzeit

Ist die Lebensversicherung noch keine 12 Jahre alt, muss der Zinsanteil im Rückkaufswert versteuert werden.

 

Abschluss der Lebensversicherung ab 2005

  • Szenario 3: Kündigung nach 12 Jahren Laufzeit

Wenn die Lebensversicherung ab 2005 abgeschlossen wurde, unterliegt sie der Abgeltungssteuer. Wenn der Vertrag älter als 12 Jahre ist oder Sie nach Ihrem 60. Lebensjahr die Versicherung kündigen, fällt nur die Besteuerung nach dem Halbeinkünfteverfahren an.

  • Szenario 4: Kündigung vor 12 Jahren Laufzeit

Erfüllen Sie nicht die oben genannten Kriterien, wird der positive Erlös bei Kündigung voll mit der Abgeltungssteuer besteuert.

In den Szenarien 3 und 4 können eventuelle Verluste aus der Kündigung steuerlich geltend gemacht werden.

 

Die Kündigung einer Lebensversicherung bringt regelmäßig Verluste

Grundsätzlich gilt: In den seltensten Fällen werden Sie eine Lebensversicherung mit Gewinn kündigen können.

Dies wird wahrscheinlich nur der Fall sein, wenn Sie über einen Alt-Vertrag (und länger als 12 Jahre) verfügen. Hier ist aber ebenfalls genau nachzurechnen, ob sich eine Kündigung lohnt.

Falls Sie auf die Liquidität nicht angewiesen sind, eignet sich hier eine andere Vorgehensweise. Welche dies ist, lesen Sie im 3. Teil meiner Serie.

Hier geht es zu Teil 1: Lebensversicherung I – Ein Verkauf lohnt meist nicht

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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