Lebensversicherung III: Wann eine Beitragsfreistellung lohnt

Was tun, wenn die Lebensversicherung nicht mehr passt?

Immer mehr Deutsche sind mit ihrer Lebensversicherung unzufrieden.

Entsprechend hoch ist auch die Abbruchquote. Dabei gilt als statistische Faustformel:

Je länger der Vertrag läuft, umso höher ist die Kündigungsquote.

 

Die wenigsten halten bei Lebensversicherungen durch

Läuft die Lebensversicherung bspw. 12 Jahre, kündigt rund ein Drittel der Versicherten noch vor dem Laufzeitende.

Bei Policen mit 20 Jahren Laufzeit ist es schon jeder zweite, der nicht durchhält. Und bei einer Laufzeit von 30 Jahren schafft es nur noch jeder dritte ins Ziel.

Dabei ist ein Ausstieg oftmals mit realen Verlusten verbunden. Wie hoch diese ausfallen können, habe ich Ihnen schon in den beiden ersten Teilen der Serie gezeigt:

Lebensversicherung I: Ein Verkauf lohnt meist nicht

Lebensversicherung II: Kündigung bringt Verluste

Deshalb ist es immer auch überlegenswert, die dritte Option zu überdenken – die Beitragsfreistellung.

 

Ihr Anspruch auf eine beitragsfreie Lebensversicherung

Ob für Sie eine Beitragsfreistellung in Frage kommt, hängt sehr stark von Ihren persönlichen Präferenzen und Zielen ab.

Grundsätzlich steht Ihnen nach § 165 des Versicherungsvertrags-Gesetzes das Recht zu, jederzeit Ihre Lebensversicherung für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode in eine prämienfreie Versicherung umzuwandeln.

Als Nebenbedingung gilt das Erreichen einer vorher vereinbarten Mindestversicherungsleistung. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, kann der Versicherer die Lebensversicherung kündigen und Ihnen den dann gültigen Rückkaufswert ausbezahlen.

Damit zeigt bereits der Gesetzgeber auf, dass es so eine Art Break-even für Lebensversicherungen gibt, ab dem sich eine betragsfreie Fortführung noch lohnt.

 

Achten Sie auf den Zeit-Faktor der Lebensversicherung

In der Praxis stehen Sie selbst vor dieser Entscheidung. Dabei hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass bei sehr jungen Verträgen – meist bis maximal 6 Jahre – eher eine Kündigung lohnt.

Je näher der Vertrag am Laufzeitende dran ist, umso mehr macht im Fall des Falles eine beitragsfreie Fortführung Sinn.

Neben dem Zeit-Faktor ist auch der finanzielle Faktor zu beachten.

 

Wichtige Frage: Brauchen Sie das Geld?

Geht es nur um einen kurzfristigen Liquiditätsengpass oder sind Sie auf das Geld aus der Versicherung nicht angewiesen, ist eine Beitragsfreistellung der Lebensversicherung sicherlich sinnvoll.

Sind Sie grundsätzlich mit der Lebensversicherung unzufrieden oder benötigen Sie das Geld, sind Kündigung oder Verkauf die besseren Alternativen.

Das gilt auch, wenn Sie deutlich besser rentierende Anlagemöglichkeiten haben, welche die einzukalkulierenden Verluste aus Kündigung oder Verkauf schnell aufwiegen.

 

So können Sie Ihre finanziellen Belastungen senken

Wenn Sie die Lebensversicherung grundsätzlich weiterführen wollen, können Sie selbst über mehrere Stufen Ihre finanzielle Belastung senken.

  • Stufe 1: Dynamisierung ausschließen

Dies kann u. U. sogar positiven Einfluss auf die Gesamtrendite haben. Denn in der Regel werden von den Dynamisierungsbeiträgen zum Teil erhebliche Kosten abgezogen. Das entfällt, wenn Sie die Dynamisierung streichen.

  • Stufe 2: Zusatzversicherungen streichen

Die Herausnahme von Zusatzversicherungen wie bspw. Versicherungsleistungen bei Unfalltod kann die Prämienhöhe der Lebensversicherung ebenfalls absenken. Eventuelle Risiken können besser über eine preiswerte Risikolebensversicherung abgesichert werden.

  • Stufe 3: Beitragsfreistellung

Dies ist faktisch die Ultima Ratio. Natürlich müssen Sie sich (wie auch bei den vorangegangen Schritten auch) im Klaren sein, dass damit auch die vereinbarten Ablaufleistungen deutlich sinken.

Dies kann je nach Stand der Lebensversicherung dennoch günstiger sein, weil dadurch die Überschussbeteiligungen gesichert bleiben.

 

Die Beitragsfreistellung kann der Königsweg sein

Grundsätzlich dürfte die kapitalbildende Lebensversicherung ein Auslaufmodell sein. Eine Trendwende bei den zu erreichenden Renditen ist nicht absehbar.

Wie Sie mit bestehenden Lebensversicherungen am Ende umgehen, hängt von Ihren persönlichen Interessen ab. Die Versicherer langen bei einer Kündigung oftmals kräftig zu und ein Verkauf bringt mittlerweile kaum bessere Ergebnisse.

Da halte ich eine Beitragsfreistellung für den, der nicht auf die Liquidität angewiesen ist, für den besten Weg.

Hier geht es zu den ersten beiden Teilen:

Lebensversicherung I: Ein Verkauf lohnt meist nicht

Lebensversicherung II: Kündigung bringt Verluste

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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