Null-Prozent-Finanzierung: Wirklich kostenlos?

Keine Zinsen: Auch hier muss gerechnet werden

Der Handel hat ein neues Zaubermittel entdeckt. Mit Gratiskrediten will man Kunden anlocken und ihnen den Kauf meist höherwertiger Güter, von Computer über das neuste Handy bis zur Küche, schmackhaft machen. Allerorten finden sich in der Werbung Angebote mit Null-Prozent-Finanzierungen. Fragt sich nur, ob das im Einzelfall wirklich ein gutes Geschäft ist.

 

Wer ist Vertragspartner?

Das Angebot sieht auf den ersten Blick verlockend aus. Kein langes Ansparen, kein Durchrechnen von Zinsen, einfach Kaufsumme in Raten teilen und gut. Doch was auf den ersten Blick so einfach und verbraucherfreundlich aussieht, hat oft auch seine Tücken.

Die Probleme beginnen bereits mit dem Vertragsabschluss. Denn nicht der Händler wird Vertragspartner, sondern ein von ihm ausgesuchtes Kreditinstitut. Im besten Fall ist dies ein vertrauter Name, doch meist wird damit eine Geschäftsbeziehung begründet, die man im normalen Alltag wohl nicht unbedingt eingegangen wäre.

 

Aufpassen, Zusatzkosten!

Problematisch stellt sich auch immer wieder die Kostenfrage dar. Zum einen ist klar, dass der Händler mit der Null-Prozent-Finanzierung seinen Umsatz ankurbeln will. Doch natürlich wollen er und auch das beauftragte Kreditinstitut an der Finanzierung verdienen. Kontoführungsgebühren oder zusätzliche Versicherungen sorgen dafür, dass aus den null Prozent meist dann doch mehr werden.

Und auch beim Waren-Preis lauern Stolpersteine. Denn die nicht anfallenden Zinsen werden oftmals auch durch generell höhere Preise kompensiert. Unser Rat: Sollten Sie eine solche Finanzierung überlegen, lohnt der Blick z. B. ins Internet, was andere Anbieter für Preise ausrufen.

Fraglich ist ebenfalls die Beratungsqualität beim Händler. Ratgebersendungen und Verbraucherzentralen monieren regelmäßig, dass die Beratungsqualität weit unter den heutigen Standards bleibt, die bei einer Kreditaufnahme direkt bei der Bank üblich sind. Was auch nicht wundern kann. Denn oft verfügen die beauftragten Mitarbeiter eben nicht über einen Bank-Hintergrund.

 

Drohende Schuldenfalle

Und es gibt noch einen anderen kritischen Punkt. Kredite ohne offensichtliche Zinsen verleiten oftmals zu weiteren Verschuldungen. Verliert man dann die Übersicht oder droht sogar die Überschuldung, setzen Kreditnehmer oftmals ihren Dispokredit ein, um die Raten zu zahlen. Mit dem Ergebnis, dass aus ehemals null Prozent Zinsen schnell tatsächliche Zinsbelastungen von 10% oder mehr werden können.

Unser Fazit: Null-Prozent-Finanzierungen sind ein inzwischen fest etabliertes Angebot des Handels, um schnell Konsumwünsche wahr werden zu lassen. Doch sollten Sie nicht aus den Augen verlieren, dass hier nichts wirklich umsonst ist. Rechnen Sie nach, ob sich die Finanzierung wirklich lohnt und wie sie in Ihre private Finanzplanung passt.

Carsten Müller

Redaktion deutscher-wirtschaftsbrief.de

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