Mittelstandsanleihen II: Diese Risiken müssen Sie kennen

Mittelstandsanleihen haben Chancen und Risiken

Mittelstandsanleihen sind keine Anlageinstrumente, die Sie einmal kaufen und dann einfach bis zur Fälligkeit liegen lassen.

Bei vielen Emittenten ist zwar die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass das funktionieren kann.

 

Auf diese Risiken bei Mittelstandsanleihen müssen Sie achten

Doch signalisieren schon die angebotenen hohen Zinsen ein höheres unternehmerisches Risiko.

Hinzu kommt die Frage, ob die jeweilige Firma überhaupt in der Lage ist, mit ihrem Geschäftsmodell über Jahre hinweg solch hohe Zinsen regelmäßig zu verdienen.

Die Gefahr ist allgegenwärtig, dass hier am Ende aus der Substanz gezahlt wird.

Entsprechend benötigen Mittelstandsanleihen deutlich mehr und regelmäßige Aufmerksamkeit durch die Investoren.

 

Die Handelsumsätze sind ein Problem

Hinzu kommt, dass viele Mittelstandsanleihen nach ihrer Emission trotz der Bemühungen von Börsenbetreibern und den verantwortlichen Börsenmaklern nur noch dürftige Handelsumsätze aufweisen.

Das müssen Sie als Anleger mit einkalkulieren und auf die Gewichtung der Positionen achten. Grundsätzlich muss gelten:

So interessant Mittelstandsanleihen sind, so können sie nie hauptsächliches Investment sein, sondern nur Teil einer Gesamtstrategie.

 

Gehen Sie kein Klumpenrisiko ein

Gleichzeitig gilt es, beim Investment in Mittelstandsanleihen so genannte Klumpenrisiken zu vermeiden.

Von Klumpenrisiken sprechen wir in diesem Zusammenhang, wenn mehrere Wertpapiere mit ähnlichem Themenbezug im Depot sind. Dann gilt das Risiko, dass bei Vorkommnissen bei einem Emittenten alle Wertpapiere leiden.

Der Bereich der Erneuerbaren Energien gilt hier als abschreckendes Beispiel.

Verglichen mit anderen Branchen, hat dieser Bereich in den vergangenen 3 Jahren überproportional viele Anleihenausfälle und Umstrukturierungen produziert.

Dies lag sicher auch am schwierigen Geschäft, das seit Jahren durch Überkapazitäten und Preisverfall gekennzeichnet ist. Doch ähnliches kann sich auch in anderen Branchen wiederholen.

 

Vorsicht bei Trittbrettfahrern

Kritsch sollten Sie deshalb gewisse Trend-Emissionen betrachten. So zeigt sich, dass sich nach einer erfolgreichen Platzierung einer Mittelstandsanleihe aus einer Branche oft etliche andere Unternehmen an den Erfolg dranhängen wollen.

Die Qualität der Emittenten ist dabei regelmäßig breit gefächert und muss entsprechend einzeln analysiert werden.

 

Ratings können bei der Analyse von Mittelstandsanleihen unterstützen

Dabei können verfügbare Bonitäts-Ratings helfen. Hier haben sich die einheimischen Ratingagenturen Creditreform Rating und Scope Rating eine herausragende Stellung erworben.

Aber es gibt Unterschiede, die bei der Einordnung der jeweiligen Ratings zu beachten sind.

Creditreform Rating verfügt durch die bekannte Wirtschaftsauskunft Creditreform über ein umfassendes Datenmaterial. Entsprechend beurteilt die Rating-Agentur die Emittenten auch nicht nur nach quantitativen Aspekten.

Sie bezieht auch qualitative Einschätzungen mit in die Beurteilung ein. Dies können beispielsweise Managementerfahrung und Organisationsstruktur sein.

Dagegen basieren die Ratings von Scope fast ausschließlich auf quantitative Indikatoren durch die verfügbaren Bilanzen.

Das hat in der Vergangenheit schon oftmals dazu geführt, dass es sichtbare Diskrepanzen in den Ratings gab.

 

Denken Sie unabhängig

Sie als Anleger brauchen dabei aber keine Entscheidungen treffen, wem Sie mehr glauben. Nehmen Sie Ratings eher als, was sie sind: Hilfsmittel, aber nie alleinige Entscheidungsbasis.

Mein Tipp: Denken Sie wie eine Bank. Denn auch Sie vergeben mit dem Kauf einer Mittelstandsanleihe einen Kredit.

Deshalb müssen Sie sich darüber informieren, wie der Geschäftsplan des zukünftigen Anleihen-Schuldners ist, ob er Zinsen und Tilgung verdienen kann und welche Sicherheiten er stellt. Das Bonitätsrating ist dabei nur einer von mehreren Indikatoren.

Wie Sie konkret Ihren Auswahlprozess für den Kauf von Mittelstandsanleihen gestalten können, lesen Sie im weiteren Themen-Artikel

Mittelstandsanleihen III: So treffen Sie die richtige Auswahl

Hier geht es zum ersten Teil mit dem Thema:

Mittelstandsanleihen-  Neue Wege für Unternehmen und Anleger.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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