Mittelstandsanleihen: Neue Wege für Unternehmen und Anleger

Mittelstandsanleihen erobern den Kurszettel

Bis vor wenigen Jahren nutzten mittelständische Unternehmen hauptsächlich Bankenfinanzierungen.

So machten solche Finanzierungen rund 80% der externen Geldquellen aus. Mittelstandsanleihen galten in diesem Umfeld eher als exotische Variante.

Doch hat sich die enge Verzahnung von Mittelstand und Hausbank durch die Finanzkrise entscheidend gelockert.

 

Mittelständler suchen neue Finanzierungswege

Eine restriktivere Kreditvergabe hat dazu geführt, dass immer mehr Mittelständler nach alternativen Finanzierungsquellen suchen. Dabei wurden und werden sie vor allem am Anleihenmarkt fündig.

In früheren Jahren war der Anleihenmarkt meist nur großen Emittenten und Emissionsvolumen vorbehalten. Dies nicht nur aufgrund entsprechender Marktorganisationen.

Hinzu kam, dass der Anleihenmarkt durch institutionellen Anleger dominiert ist, die entsprechend hohe Volumen und Liquidität nachfragen.

 

Regionalbörsen haben Mittelstandsanleihen hoffähig gemacht

Seit 2010 ist in dieser Hinsicht eine echte Revolution angestoßen worden.

Inzwischen wurden an nahezu allen deutschen Regionalbörsen Marktsegmente für Mittelstandsanleihen gegründet. Damit sollte dem Mittelstand eine entsprechende Finanzierungsmöglichkeit eröffnet werden.

Zum anderen wollen die Börsen die Märkte für Mittelstandsanleihen so organisieren, dass auch kleine Platzierungen erfolgreich durchgeführt werden können.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Fokussierung auf Privatanleger. Denn auf ihnen ruht die Hoffnung, dass Mittelstandsanleihen auch mit vernünftigen Handelsumsätzen notiert werden.

 

Starker Zuwachs an Mittelstandsanleihen

Mittlerweile gilt der Markt für Mittelstandsanleihen in Deutschland als klarer Erfolg. Fast 80 Mittelstandanleihen sind inzwischen in den verschiedenen regionalen Marktsegmenten platziert.

Dabei bilden das Bondm-Marktsegment der Stuttgarter Börse und der Entry Standard der Deutschen Börse Frankfurt die beiden größten Handelsplätze.

Allerdings ist das Segment für Mittelstandanleihen nicht unumstritten.

 

Insolvenzen haben die Risiken von Mittelstandsanleihen vor Augen geführt

Vor allem einige Insolvenzen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien haben Kritik an der Qualität der Emissionen aufkommen lassen.

Was durchaus Ernst genommen werden sollte, da es tatsächlich große Unterschiede sowohl in der Qualität der Geschäftszahlen als auch in der ausgeübten Transparenz gegenüber den Gläubigern gibt.

Auch bei Mittelstandanleihen gilt: Als Investoren müssen Sie sich immer über die emittierende Firma informieren und nicht nur auf schöne oder schöngefärbte Renditeversprechungen schauen.

 

Jede Mittelstandsanleihe muss einzeln analysiert werden

Hier ist bei Mittelstandsanleihen besonders genau hinzuschauen, da es sich bekanntlich nicht um standardisierte Wertpapiere handelt, sondern jeder Emittent seine eigenen Konditionen anbieten kann.

Dennoch gibt es einige Aspekte, die den derzeit gehandelten Mittelstandsanleihen gemeinsam sind.

 

Es gibt dennoch Gemeinsamkeiten

So liegen die Emissionsgrößen der Mittelstandsanleihen meist zwischen 30 und 70 Mio. Euro.

Außerdem werden die meisten Mittelstandsanleihen mit Mindeststückelungen von 1.000 Euro Nennwert und Laufzeiten zwischen 5 und 7 Jahren angeboten.

Das aus Anlegersicht besonders hervorstechende Merkmal:

Bei Mittelstandsanleihen handelt es sich in der Regel um klassische Hochzins-Anleihen.

Die Mehrheit der notierten Anleihen wird mit Kupons von über 7% angeboten. Das ist in erster Linie dem Risikoprofil der jeweiligen Unternehmen geschuldet.

Die weiteren Themen-Artikel:

Mittelstandsanleihen II: Diese Risiken müssen Sie kennen

Mittelstandsanleihen III: So treffen Sie die richtige Auswahl

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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