„Es gibt keine Krise der Gemeinschaftswährung“, schrieb ich Ihnen im Juni

„Es gibt keine Krise der Gemeinschaftswährung“, schrieb ich Ihnen im Juni

Zwangsläufig sind auch die Sorgen um die Zukunft des Euro gewachsen. Anleger schichten in Werte um, von denen sie größere Sicherheit erwarten. Der Goldpreis hat neue Rekorde erreicht. Der Schweizer Franken ist gefragt. Durch Flucht aus dem Euro versuchen Investoren, die Krise zu bewältigen. Indes:

Ganz risikolos sind auch die Gegenmaßnahmen nicht.

Der Schweizer Franken ist eine kleine Währung. Der hohe Wechselkurs wird zunehmend zur Belastung. Zu viel Geld fließt in das Land. Schon jetzt beginnt das Exportgeschäft der Unternehmen darunter zu leiden. Hält der Geldzufluss an, wird ein Gegensteuern irgendwann unvermeidbar sein. Das wiederum bedeutet:

Wer den Franken dann zu teuer eingekauft hat, dürfte sich erhebliche Wechselkursverluste einhandeln.

„Raus aus dem Euro – aber wohin?“ So lautete kürzlich eine Überschrift in der WELT am Sonntag. Als Alternative für Währungsflüchtlinge wurden Zinszertifikate in teils exotischen Währungen vorgestellt. Aus meiner Sicht ein mehr als bedenklicher Vorschlag. Die Zertifikate werden von den Banken begeben.

Diese könnten durch die Euro-Krise in noch schwerere See geraten. Pleiten sind nicht auszuschließen. Folge:

Anleger könnten ihr Geld vollständig verlieren. Für Schuldverschreibungen greift kein Einlagenschutz. Zudem: Wer die Zertifikate zu Geld macht, bekommt nicht die Fremdwährungen, sondern Euro ausgezahlt.

Diese Anlageklasse ist eine reine Spekulation auf Wechselkursgewinne und somit hoch riskant.

Ähnlich sieht es bei Fremdwährungskonten aus. In Deutschland erhalten Sie bei Auflösung ebenfalls Euro. Gewinne setzen voraus, dass die Wetten auf die Wechselkursentwicklungen zu Ihren Gunsten ausgehen. Die Flucht aus dem Euro gelingt damit nicht. Einen gewissen Schutz bietet hier die Einlagensicherung.

Das ist aber auch der einzige Vorteil gegenüber den Zertifikaten.

Die Flucht aus dem Euro ist also keine einfache Sache und bietet Ihnen zudem keine absolute Sicherheit. Nur Konten oder Depots im Ausland helfen aus dem Euro-Raum heraus. Teils sind jedoch Hürden eingebaut. So sind beispielsweise in Norwegen eine Steuernummer und ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Auch könnten Sie sich Fluchtwährungen bei hiesigen Banken besorgen. Das Geld läge aber nur rum. Zudem: 

Wenn der Euro tatsächlich unterginge, wären selbst größere Beträge nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 29/2011)

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