Bankberatung wird zum Auslaufmodell

Bankberater am Bürokratie-Gängelband. Die Qualität der Beratung leidet.

Bankberater am Bürokratie-Gängelband. Die Qualität der Beratung leidet.

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

wenn Sie Geld anlegen wollen und dies über Ihre Bank machen, werden Sie es schon gemerkt haben: Der Gesetzgeber hat bezüglich Kapitalanlegerschutz in den letzten Jahren extrem aufgerüstet und den Banken umfangreiche Beratungs- und Protokollierungspflichten auferlegt. Das ist grundsätzlich auch begrüßenswert. Allerdings:

Der vermeintliche Schutz der Kunden durch Beratungsprotokolle und so genannte Beipackzettel für Anlageprodukte ist zunehmend umstritten. Denn die damit verbundene Bürokratie ist inzwischen nämlich zum reinen Selbstzweck verkommen. Die Protokollierung ist extrem aufwändig. Sie kostet viel Zeit und Geld.

 

Anlageberatung in der Bürokratie-Falle

Das nervt nicht nur die Bankberater, sondern zunehmend auch die Kunden. Nach neusten Umfragen würde jeder Fünfte inzwischen gern darauf verzichten. Was aber in der Praxis natürlich nicht in Frage kommt, da ein Verstoß gegen die Protokollpflicht als Ordnungswidrigkeit gilt. Dem will sich natürlich kein Bankberater aussetzen, selbst bei einem noch so guten und bekannten Kunden.

Die staatlich verordnete Protokollierungswut hat aber nun auch unangenehme Folgen, unangenehm vor allem für die Kunden. Denn immer mehr Banken ziehen sich aus der Aktienberatung zurück, weil der Aufwand schlicht zu hoch ist. Die Folge ist, dass Sie entweder überhaupt keine Beratung mehr finden oder teilweise Wochen warten müssen, ehe Sie einen Termin bekommen.

Schlimmer noch: Viele Bankberater sind aufgrund der Gängelung frustriert und arbeiten nur noch mechanisch die formalen Vorgaben ab. Dass daraus kaum ein vertrauenswürdiges und vor allem inhaltlich interessantes Beratungsgespräch werden kann, liegt auf der Hand. Und ein Ausweg aus dieser Situation ist nicht in Sicht.

 

Werden Sie selbst aktiv

Zwar will der Gesetzgeber mit der Protokollierungspflicht- wie es der Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas kürzlich sagte – eine „qualitativ hochwertige Beratung sicherstellen“. Doch die offensichtlichen Fehlentwicklungen werden nicht korrigiert. Weiterhin steht nur die juristischen Absicherung der Bank im Vordergrund, schlechte oder oberflächliche Beratung wird so zum Regelfall.

Deshalb sind Sie jetzt gefragt. Denn wenn Sie trotz der mangelhaften Beratungssituation der Banken an der Börse aktiv werden wollen, müssen Sie Ihr finanzielles Schicksal selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört ein gesundes Basiswissen und Mut zur Eigenverantwortung. Wer sich aktiv um sein Vermögen kümmert, dem können Beipackzettel und Beratungsprotokolle egal sein.

Wobei eine eigenständige Anlagestrategie keine Frage des Alters ist, im Gegenteil. Jüngste Studien haben ergeben, dass sich z. B. ein Drittel aller Senioren mit Spaß um die eigenen Geldangelegenheiten kümmern. Das Einholen, Auswerten und Umsetzen von Finanzinformationen gehört regelmäßig dazu.

Und Sie haben noch einen weiteren Vorteil, wenn Sie sich um Ihre Börsengeschäfte selbst kümmern: Denn Sie sparen sich damit nämlich die happigen Gebühren, die Bankberater auf ihre Anlagevorschläge erheben.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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