Börse und Notenbanken: Die Angst vor der Normalität

Das große Zittern vor der Fed

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Finden Sie es nicht auch mühselig, in welch schneller Taktzahl die Börse manchmal zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt wechselt? In gewisser Weise sind die Stimmungsschwankungen der Anleger – zum Großteil institutionelle Investoren – ja nachvollziehbar.

Denn an der Börse werden nun mal Erwartungen gehandelt und mit einem Preisschild versehen. Und diese können auch schnell ins Gegenteil umschlagen.

 

Kurzsichtigkeit dominiert

Dennoch: In manchen Situationen ist es beinahe schon lächerlich, wie kurzfristig und kurzsichtig gehandelt wird. Mit nachhaltiger Geldanlage oder Vermögensaufbau hat dies dann absolut nichts mehr zu tun. Aktuell können Sie dies vor allem an den Reaktionen des Marktes auf das Handeln oder die Statements der Notenbanken sehen.

Geradezu exemplarisch steht dafür die Diskussion um das so genannte „Tapering“ der amerikanischen Notenbank Fed. Der Begriff „Tapering“ dürfte vor allem den Ausdauer-Sportlern unter Ihnen bekannt sein. Denn darunter versteht man in der Sportwelt das Reduzieren des Trainingsumfangs vor einem Wettkampf oder einer größeren Belastung.

Übersetzt auf den Finanzmarkt geht es darum, dass die Fed damit die Möglichkeit beschreibt, ihre bisherigen Anleihenkäufe (quasi das geldpolitische Krafttraining) zu reduzieren.

 

Die Angst vor der Normalität

Für etliche Investoren ein echtes Schreckgespenst. Denn die Anleihenkäufe sorgen seit Jahr und Tag für niedrige Renditen in den betreffenden Anleihen und für ein super Zusatzgeschäft bei den beteiligten Banken über die jeweiligen Transaktionsgebühren.

Kein Wunder also, dass auf jedes Statement über die Weiterführung oder mögliche Reduzierung der Anleihenkäufe überdeutlich reagiert wird. So ist die Sondersituation längst zum Wünschenswerten und der Normalzustand zur Gefahr geworden.

 

Fed verliert Glaubwürdigkeit

So auch in dieser Woche zu sehen, wo wir das Protokoll der Oktober-Sitzung zu lesen bekamen. Denn dem Protokoll ist zu entnehmen, dass die Fed-Bänker mit einem Einstieg in die Reduzierung der Anleihenkäufe in den nächsten Monaten rechnen.

Das steht so ziemlich in Kontrast zu dem, was die designierte Fed-Chefin Janet Yellen noch vor wenigen Tagen sagte. Verlässlichkeit und Berechenbarkeit sieht anders aus.

Wobei ich auch sagen muss: Die Zeiten, wo die Notenbanken als verlässliches Korrektiv des Kapitalmarktes wirkten, sind wohl auf Dauer passé. Selbst, wenn wir irgendwann aus dem aktuellen Krisenmodus herauskommen, ist nicht damit zu rechnen, dass sich daran etwas zum Positiven ändert.

Denn die Noten- und Zentralbanken diesseits und jenseits des Atlantiks haben in den letzten Jahren den geldpolitischen Sündenfall gelebt: Sie sind von Marktbeobachtern zu Marktakteuren geworden.

 

Handeln Sie anti-zyklisch

Bleibt die Frage, wie Sie als Anleger mit diesen Konstellationen umgehen können. Die Antwort ist so einfach wie in der Durchführung anspruchsvoll. Machen Sie sich das regelmäßige „Zittern der starken Hände“ – also eben der institutionellen Investoren – zunutze. Handeln Sie anti-zyklisch, wenn es sich anbietet.

Denn in einem längeren Anlagezeitraum bleiben Aktien die Anlageklasse mit den größten Renditechancen. So können kurzfristige Rücksetzer immer wieder zum Einstieg und Ausbau von Aktienengagements genutzt werden.

Legen Sie dabei Wert auf Qualität, beispielsweise dividendenstarke Papiere, um auch in schwächeren Marktphasen Mindestrenditen erwirtschaften zu können.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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