Die Börse ist in guter Stimmung: Doch es droht neuer Stress

Neuer Stress für die Banken?

Aus dem aktuellen kostenlosen Newsletter

“Wirtschaft-vertraulich”:

Als Anleger können Sie sich freuen. Denn aktuell handeln wir wohl in einer der besten denkbaren Börsenwelten. Natürlich gibt es weiterhin Risiken, die zu beachten sind. Dabei liegt mein persönlicher Fokus vor allem auf dem immer noch nicht gelösten Haushaltsstreit in den USA, der spätestens zum Jahreswechsel wieder an Schärfe gewinnen dürfte. Dennoch:

 

Aktien und Anleihen bleiben gefragt

Aktuell überwiegen die Chancen. Das trifft dabei nicht nur auf den Aktienmarkt zu. Dieser steht zwar in der Berichterstattung meist an erster Stelle. Was auch nachvollziehbar ist. Denn Aktienkursgewinne sind nun mal griffiger und besser „zu verkaufen“, weil mehr Anleger damit zu tun haben. Aktuell helfen dabei die recht guten Unternehmensgewinne aus dem 3. Quartal, dass die Börse grundsätzlich in guter Stimmung bleibt.

Aber auch am Anleihenmarkt wird weiter gekauft. Was damit zu tun hat, dass die Notenbanken – insbesondere die amerikanische Notenbank – ihre Geldschleusen offen halten. Allerdings könnte es hier in den nächsten Wochen doch zu einigen neuen Turbulenzen kommen. Dies gilt im besonderen Maß für Europa.

 

Banken müssen durch neuen Stresstest

Denn die Europäische Zentralbank (EZB) will in den kommenden Wochen die wichtigsten europäischen Banken einem neuen Stresstest unterziehen. Stresstest bedeutet dabei in diesem Zusammenhang, dass die Notenbank mehrere Szenarien vorgibt, wie sich der Finanzmarkt entwickeln könnte.

Auf dieser Basis müssten die Banken dann berechnen, welches Verlustpotenzial bei ihnen möglich wäre aufgrund der bestehenden Engagements wie Kredite, Devisen, Anleihen oder Aktien. Als Ergebnis würde sich dann zeigen, wie das vorhandene Eigenkapital in bestimmten Marktsituationen die Verluste auffangen könnte, ohne dass die jeweilige Bank in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber ihren Kunden kommt.

Die Banken, die in solchen schwierigen Marktphasen theoretisch zu wenig Eigenkapital aufweisen würden, müssten sich dann zusätzliches Eigenkapital beschaffen.

 

Vorbereitung auf europäische Bankenaufsicht

Insgesamt sollen 128 Banken in der Euro-Zone geprüft werden. Dieser Stresstest steht auch im Zusammenhang mit der Einführung der europäischer Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank. Die EZB will natürlich im Vorfeld wissen, woran sie ist.

Besonders für die Aktien von börsennotierten Banken könnte das erhebliche Unruhe bringen. Denn wer bei den durchgespielten Szenarien Schwäche zeigt, wird gezwungen sein, sich schnell Eigenkapital zu beschaffen. Doch das wird in solch einem Umfeld und unter Druck teuer.

 

Was Sie tun könnten

Wenn Sie in Bank-Aktien engagiert sind, sollten Sie sich entsprechend auf eine höhere Schwankungsbreite der Kurse einstellen. Ich würde sogar so weit gehen, dass vorhandene Gewinne besser realisiert werden.

Wenn sich der Stresstest als eher unproblematisch herumstellen sollte, könnten die jeweiligen Aktien ja wieder zurückgekauft werden.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

keine Kommentare...