ESM: Erste Anleihe platziert

Großes Interesse bei erster Anleihe

Der europäische Stabilitäts-Mechanismus, kurz ESM, hatte seinen ersten Auftritt am Kapitalmarkt. Dies mit Erfolg. Es ging um die Platzierung einer 3-monatigen Anleihe. Davon konnte der ESM insgesamt 1,93 Mrd. Euro platzieren. Und es hätte noch mehr werden können. Denn insgesamt fragten die Investoren das 3,2-fache nach.

Und waren auch noch bereit, der Institution sogar Geld dafür zu zahlen, dass man die Schulden übernahm. Denn die Durchschnittrendite bei der Emission lag bei minus 0,0324%. Darin ähnelt die Emission schon entsprechenden Papieren des Vorgänger-Fonds EFSF. Dieser war in den vergangenen Monaten ebenfalls immer wieder sehr erfolgreich, sprich billig, am Anleihenmarkt tätig.

 

Deutschland als Anker

Woher kommt diese Bereitschaft der Investoren, auf Geld zu verzichten? Es ist ein Ergebnis der bisherigen Staatsschuldenkrise. Zwar hat es mittlerweile eine sichtbare Beruhigung bei den Anleihen aus den Euro-Peripherieländern gegeben. Doch kommt es hart auf hart, greifen vor allem die institutionellen Anleger fast ausschließlich zu den vermeintlich sicheren Anlagen wie deutsche oder holländische Staatsanleihen oder eben EFSF- bzw. jetzt ESM-Bonds.

Sie bauen darauf, dass die Struktur des ESM das Risiko deutlich verringert. Immerhin hat Deutschland als das am besten bewertete Euro-Land einen Kapitalanteil von 27,1% am ESM. Dies sind umgerechnet rund 190 Mrd. Euro. Doch das ist längst nicht alles. Denn laut ESM-Vertrag müsste Deutschland entsprechend seinem Anteil einspringen, wenn andere Länder ausfallen.

Konkret geht es dabei um Portugal, Spanien, Irland, Griechenland und auch Italien. Diese fünf  Länder stehen derzeit für einen Kapitalanteil von insgesamt rund 261 Mrd. Euro des ESM-Gesamt-Kapitals von 700 Mrd. Euro gerade. Im schlechtesten Fall müsste Deutschland bei einem Ausfall aller fünf Länder weitere Kapitaleinsätze von 113 Mrd. Euro übernehmen.

 

Interesse aus dem Ausland

Und der Markt ist sich sicher: Deutschland würde natürlich zu seiner vertraglichen Pflicht stehen. Davon zehrt auch das Ansehen des ESM. So ist abzusehen, dass die nächsten Anleihen-Emissionen des Fonds ebenfalls sehr gut am Markt aufgenommen werden. Zumal auch ausländische Investoren augenscheinlich Gefallen an den Papieren finden.

So hatte sich schon Japan interessiert gezeigt, regelmäßig bei den Emissionen zuzugreifen. Aber auch aus anderen Ländern, sehr wahrscheinlich vor allem asiatischen, dürfte es Nachfrage geben. Denn die asiatischen Länder sind daran interessiert, den Euro-Raum und entsprechende Wertpapiere zur Risikostreuung der eigenen Devisenreserven zu nutzen.

Der nächste echte Test werden länger laufende Anleihen bringen. Dann wird auch zu beurteilen sein, wie attraktiv ESM-Anlehen auch für Kleinanleger sein könnten. Anlehen des EFSF waren bislang ein ganz interessantes Geschäft mit zwar geringen Kupons, dafür aber sehr guten Kurssteigerungen. Unsere Annahme: Daran wird sich auch der ESM orientieren. Wir werden dies weiter verfolgen.

Carsten Müller

Redaktion deutscher-wirtschaftsbrief.de

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