Euro-Rettungsschirm: Negative Aussichten auch hier!

Am späten Montagabend, den 23.07.2012 erwischte die Euro-Krise zum ersten Mal ganz direkt und spürbar die eigentlich stabilen Mitgliedsländer: Deutschland, derNiederlande und Luxemburg prognostizierte die Rating-Agentur „negative Aussichten“. Das Gleiche gilt jetzt auch für den Euro-Rettungsschirm.

Euro-Rettungsschirm: Negativer Ausblick für die Kreditwürdigkeit 

Auch für den Euro-Rettungsschirm prognostiziert Moody's negative Aussichten.

Auch für den Euro-Rettungsschirm prognostiziert Moody's negative Aussichten.

Nach Deutschland und anderen einst stabilen Ländern, die mit ihrer guten Bonität als europäische Musterschüler galten, stellt die Rating-Agentur jetzt auch dem gesamten Euro-Rettungsschirm eine negative Zukunftsprognose.

Die Begründung für die Herabstufung der Mitgliedsstaaten nach Montag-Abend lautete: „Das Ausmaß der Ungewisssheit über den Ausblick für den Euro-Raum“. Der ESFS hat zwar weiterhin die Bestnote AAA, allerdings änderte Moody’s den Ausblick von stabil auf negativ. Der Grund für diesen weiteren Schritt ist eine klare Folgerung auf den Montag. Denn alle drei Länder – Deutschland, Luxemburg und die Niederlande – deren Ausblick herabgestuft wurde – tragen einen erheblichen Anteil am EFSF. Allein Deutschland bürgt für 29,1 Prozent der Summe.

Moody’s will nach der Herabstufung des Ausblicks auch die einzelnen Bundesländer in Deutschland untersuchen, weil diese sehr eng mit dem Bund verflochten sind und im Notfall für einander einstehen müssen. Auch mehrere niederländische Ratings werden unter die Lupe genommen. Genauso wie das Langzeitrating des Euro-Rettungsschirms.

Wirtschaftsweise halten Deutschland weiterhin für attraktiv

Trotz des negativen Ausblicks, den Moody’s Deutschland verpasst hat, halten Wirtschaftsweise wie Peter Bofinger nach Spiegelberichten Deutschland nach wie vor für einen sicheren Hafen für Anleger. Er schätzt die deutsche Bonität so hoch ein, wie noch nie seit der Gründung.

Trotzdem sollte man sich nicht entspannt zurücklehnen. Wird Deutschland auch in seiner Gesamtnote von seiner Spitzenposition „AAA“ heruntergestuft, kann das zu Kettenreaktionen führen: Auch Banken müssten mit schlechteren Ratings rechnen.

Noch sind deutsche Bundesanleihen sicher, sagt Dr. Erhard Liemen

Dr. Erhard Liemen sieht die Lage um Deutschland differenziert: Noch sind deutsche Bundesanleihen vor allem bei Privatanlegern gefragt. Aber es gibt auch schon negative Signale: Erste Profis steigen aus. Pimco, einer der weltgrößten Vermögensverwalter, hat nur noch wenige Bundesanleihen im Depot. Dies aber nicht wegen der mageren Rendite, sondern weil Deutschland zunehmend an Qualität verliere. Das Rückzahlungs-Potenzial stuft Pimco als gefährdet ein.

Prämie für die Absicherung von Bundesanleihen verdoppelt

Ähnlicher Ansicht sind  Investoren, die im Bereich von Kreditausfallversicherungen tätig sind. Konkret: Die Prämie für die Absicherung fünfjähriger Bundesanleihen hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Noch ist Deutschland in Sachen Bonität top. Die niedrigen Zinsen helfen, die Neuverschuldung abzubauen. Die Profis stellen sich aber langsam darauf ein, dass die Note „AAA“ nicht in Stein gemeißelt ist. Das wird sich zeigen..

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