Gute Konjunkturdaten, fallende Kurse?

Turbulente Zeiten

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Bei der Geldanlage stehen Ihnen sehr wahrscheinlich einige schwierige Wochen bevor.

Ausgerechnet erfreuliche Signale von der Konjunktur könnten den Markt unter Druck bringen.

Der Schlüssel zum Ganzen ist die amerikanische Notenbank Fed.

 

Die Fed hat ihren festen Fahrplan für eine Zinswende

Zwei Dinge müssen Sie wissen: Zum einen hat die Fed ganz klare Vorstellungen davon, wann sie ihre ultra-lockere Geldpolitik beenden könnte.

Dabei schaut sie auf den Arbeitsmarkt. Er gilt ihr als wichtigster Indikator dafür, wie robust die US-Wirtschaft tatsächlich ist.

So hatte sie schon vor Monaten klar gemacht: Wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5% fällt, würde sie wieder höhere Zinsen in Betracht ziehen.

 

Anleihenkäufe kommen auf den Prüfstand

Zum anderen stimmen immer mehr Notenbank-Mitglieder für eine Reduzierung oder komplette Einstellung der Anleihenkäufe.

Aktuell kauft die Fed Monat für Monat Anleihen im Wert von rund 85 Mrd. US-$.

Dadurch gibt sie den Verkäufern, in der Regel Banken, Geld in die Hand. Dies mit der Hoffnung, dass diese das Geld dann als Kredite an Unternehmen weitergeben.

Fällt die Arbeitslosenquote und bleibt das Wirtschaftswachstum stabil, ist diese finanzielle Unterstützung nicht mehr nötig.

 

Anleger fürchten sich vor Einstellung der Anleihenkäufe

Das Problem: Viel zu viele institutionelle Anleger haben sich daran gewöhnt, dass die Fed ihnen das Verkaufsrisiko der Anleihen abnimmt.

Sie fürchten vor allem steigende Renditen, wenn die Notenbank keine Anleihen mehr kauft. Und steigende Renditen sind gleichbedeutend mit fallenden Kursen.

Das trifft zwar direkt nur auf die betroffenen Staatsanleihen zu, weil diese weniger nachgefragt würden.

Doch machen viele Anleger hier keine Unterschiede zu anderen Anleihenformen oder sogar Aktien. Das könnte zu einer paradoxen Situation führen:

 

Bei positiven Konjunkturmeldungen können die Kurse fallen

In dieser Woche kommen mit dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und die Arbeitslosenquote zwei der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren zur Veröffentlichung.

Mein Tipp: Sie sollten nicht beim ersten Schrecken an der Börse aussteigen. Stopp-Loss-Absicherungen ja, aber bedenken Sie:

Mit einer besseren Konjunkturperspektive verbessern sich auch die Gewinnaussichten der Unternehmen. Und das ist es, was mittel- bis langfristig die Kurse antreibt.

 

Wird die EZB Stellung beziehen?

Was Sie sich dabei für Europa noch notieren sollten: Am Donnerstag gibt es die nächste Zinsentscheidung durch die Europäische Zentralbank EZB.

Eine Veränderung des jetzigen Leitzinses von 0,50% wird zwar nicht erwartet. Aber die EZB wird Stellung beziehen müssen.

Dabei geht es um die zunehmende Reformmüdigkeit in einigen Euro-Ländern. Die EZB kann das nicht unkommentiert lassen.

Es wird also eine turbulente Woche mit noch ungewissem Ausgang. Aktuell spricht vieles dafür, dass die Börse in eine längere Konsolidierungsphase eintritt.

Nach den vergangenen Gewinnen wäre das sicher nicht verkehrt. Eine größere Korrektur halte ich dagegen nicht für unabwendbar.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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