Senkt die EZB noch einmal die Zinsen?

Noch eine Zinssenkung durch die EZB?

Aus dem aktuellen kostenlosen Newsletter

“Wirtschaft-vertraulich”:

In der neuen Börsenwoche sollten Ihre Augen vor allem auf das Handeln der Europäischen Zentralbank (EZB) gerichtet sein. Sie trifft sich am Donnerstag zu ihrer turnusmäßigen Ratssitzung.

Auf dem Programm steht dabei die Frage, ob es noch einmal eine Lockerung des Leitzinses geben sollte. Dieser liegt momentan bei 0,50%. Nicht wenige Analysten prophezeien, dass es hier auf 0,25% runtergehen könnte. Warum diese Erwartung?

 

Rückläufige Inflationsraten

Auslöser sind die jüngsten Inflationsdaten aus Europa. Denn im Oktober wurde für die Euro-Zone nur noch eine Teuerungsrate von 0,7% gemessen. Das war die niedrigste Inflationsrate seit 4 Jahren. Und ein kräftiges Warnsignal für die Währungshüter, dass die konjunkturelle Erholung in Gefahr geraten könnte.

Dazu müssen Sie wissen: Inflation ist per se nichts Schlechtes. Denn sie bedeutet nicht nur Preissteigerungen bei Konsumgütern, sondern auch höhere Einnahmen bei den Unternehmen, höhere Löhne für die Arbeitnehmer und mithin meist auch eine Stärkung der Kaufkraft.

Das sind wichtige Grundlagen dafür, dass es ein Wirtschaftswachstum gibt. Fallen die Preise, bedeutet das geringere Gewinne, geringere Löhne und oftmals auch geringerer Konsum. Und der Konsum macht heutzutage in vielen Industrienationen 60 bis 80% des BIP-Wachstums aus.

 

Euro-Peripherie bleibt Risikofaktor

Dass es in der Euro-Zone solch eine geringe Inflationsrate gibt, liegt in der Hauptsache an den Peripherieländern. Die dortigen Einbrüche auf den Arbeitsmärkten und bei den Unternehmensgewinnen haben in den letzten Jahren in die Rezession geführt.

Zwar gab es zuletzt eine Stabilisierung. Doch echtes Wachstum – und damit steigende Preise auf den Gütermärkten – ist weiterhin kaum in Sicht.

Die Europäische Zentralbank muss nun überlegen, wie sie gegensteuert. Das Problem: Bei deflationären Tendenzen versagte in der Vergangenheit oftmals die Geldpolitik.

 

Noch mehr billiges Geld?

Das einzig sinnvolle Mittel scheint eine starke Liquiditätszufuhr zu sein, um den realen Wert des umlaufenden Geldes zu verringern und damit Preissteigerungen zu stimulieren. Doch was macht man, wenn die Geldschleusen schon seit Jahren weit offen stehen?

So könnte auch eine Zinssenkung auf 0,25% wohl nicht mehr als eine symbolische Geste sein. Eher ist zu erwarten, dass die EZB andere Mittel mobilisiert. Es wird vermutet, dass sie den Mindestreservesatz für die Banken senken oder außer Kraft setzen könnte.

Dabei handelt es sich um das Geld, dass die Banken – proportional zu ihren Sichteinlagen – bei der EZB deponieren müssen. Eine Verringerung oder Aussetzung würde also direkt auf die Liquiditätslage der Banken und damit auf ihren Spielraum für Kredite wirken.

 

Aktien könnten weiter profitieren

Sollte die EZB Maßnahmen zur Stimulierung der Inflation angehen, wäre dies positiv für den Aktienmarkt. Denn in einem Umfeld mit höherer Inflation stehen die Chancen auf weiter steigende Unternehmensgewinne gut. Und das kann die Aktienkurse weiter antreiben. Wenn Sie derzeit im Aktienmarkt engagiert sind, sollten Sie es vorerst auch bleiben.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

keine Kommentare...