Staatsschschuldenkrise erreicht Kernländer – und alle setzen auf Sicherheit

Dr. Liemen rät: Wer zu lange liquide bleibt, könnte einen Großteil der sich bietenden Chancen verpassen

Vergangene Woche hat die Staatsschuldenkrise die Euro-Kernländer erreicht. Selbst die Niederlande und Österreich müssen jetzt höhere Renditen bieten. Nur dann sind Investoren noch bereit, Staatsanleihen dieser Länder zu kaufen. Bestnoten in Sachen Kreditwürdigkeit sind hier schon lange kein Anreiz mehr. Die Anleger haben durch die Staatsschuldenkrise einfach das Vertrauen verloren.

Staatsschuldenkrise: Nun auch Kernländer betroffen.

Staatsschuldenkrise: Nun auch Kernländer betroffen.

Auch europäische Banken trauen einander immer weniger über den Weg. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, parken sie es bloß bei der Zentralbank. Dass es dort deutlich niedrigere Zinsen gibt, wird dabei in Kauf genommen.

Alles, was aktuell in der Staatsschuldenkrise noch zählt, ist Sicherheit.

Diese These gilt ebenso für viele deutsche Privatanleger. Sie sind aus Aktien und Investmentfonds geflüchtet. Das abgezogene Geld ist überwiegend auf Tagesgeldkonten gewandert. Der Grund liegt auf der Hand: Niemand weiß, wie es weitergeht. Hohe Liquidität ist deshalb Trumpf in Zeiten der Schuldenkrise.

Dank 100.000-€-Staatsgarantie und Einlagensicherung gehen Sie mit Tagesgeld kaum ein Risiko ein. Gerade bei den eigenkapitalschwachen Banken sind solche Einlagen von Privatanlegern hoch willkommen. Einige bieten deshalb Zinsen, die – vor Abgeltungsteuer – die Inflationsrate einigermaßen ausgleichen.

 Problem der negativen Realzinsen: Inflationierung kommt

Das Problem der negativen Realzinsen habe ich im Deutschen Wirtschaftsbrief der Vorwoche angesprochen. Eine Inflation ist fast unvermeidbar, wenn die Euro-Rettung gelingt. 2012 wird sich die Inflationierung wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums noch nicht sonderlich bemerkbar machen. Ab dem Jahr 2013 werden wir die Folgen der Staatsschuldenkrise jedoch deutlich zu spüren bekommen.

Schon jetzt stehen Sie als Anleger vor dem Dilemma, mit reinen Geldanlagen negative Realzinsen zu erzielen. Denn die Inflationsrate übersteigt die Renditen. Ihr Geld hat sozusagen aufgehört, für Sie zu arbeiten.

Ergänzend dazu: Wenn Geldanlagen nicht länger arbeiten können, läuft das auf eine Enteignung hinaus. Auf der einen Seite ist das eine Folge der Inflation, auf der anderen Seite der Steuerbelastung.

Anleger zahlen die Zeche!

Im Zuge der Euro-Schuldenkrise werden die Regierungen um Steuererhöhungen nicht herumkommen. Es ist lediglich noch eine Frage der Zeit, wann in Deutschland ein Solidarbeitrag für Europa fällig wird. Ob Vermögensteuer oder höhere Abgeltungsteuer: Anleger werden die Zeche zahlen.

Geld auf Konten kann für eine gewisse Zeit durchaus die richtige Strategie sein, um Risiken zu vermeiden. Wird das allerdings dauerhaft praktiziert, ist die Gefahr der schleichenden Enteignung besonders groß. Allenfalls psychologisch schmerzt der Kaufkraftverlust weniger als unmittelbare Kurseinbußen.

Wer dem entgehen will, wird deshalb wohl oder übel kleinere Unwägbarkeiten in Kauf nehmen müssen. Dazu gehören auf jeden Fall Aktien. Fest steht: Irgendwann werden sich die Börsen wieder stabilisieren. Aktuell sind sie stark belastet – nicht nur wegen der Euro-Krise, sondern auch durch Rezessionssorgen. Nehmen diese Befürchtungen in den nächsten Monaten zu, könnte das jedoch ein guter Kaufzeitpunkt sein.

Deshalb mein Rat: Wer dann zu lange liquide bleibt, könnte einen Großteil der sich bietenden Chancen verpassen.

Bilderquelle: © S. Alias – Fotolia.com

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