US-Notenbank zeigt ihren Baukasten für höhere Zinsen

Fed erklärt Instrumente für eine Zinswende

Fed erklärt Instrumente für eine Zinswende

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

wenn Sie in den vergangenen Monaten an der Börse Erfolg haben wollten, mussten Sie auch immer in der Lage sein, die Signale aus den wichtigsten Notenbanken – allen voran die Europäische Zentralbank EZB und der US-Notenbank Fed – richtig zu lesen.

Denn seit Ausbruch der Finanzkrise gaben sie im großen Rahmen der Märkte mit den wichtigsten Takt vor. Das war bei den Versuchen so, die Märkte und Banken auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zu stabilisieren. Das gilt aber auch jetzt, wo es zumindest jenseits des Atlantiks darum geht, die Krisenmaßnahmen schrittweise zurückzunehmen.

Ich hatte am Montag darauf hingewiesen, dass in dieser Woche mit der Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der Fed ein nicht zu unterschätzender Termin anstand. Gestern kam nun die Vorlage und die bot Ihnen als Investoren einige interessante Einblicke in die Planung der amerikanischen Geldpolitiker.

 

Ein konkreter Zeitplan für den Ausstieg aus Anleihenkäufen

Bereits im Oktober wird die Fed ihre Rückführung der Anleihenkäufe abgeschlossen haben. Hier gab es an der Börse einige Diskussionen, ob die Notenbank die dann noch vorhandenen 15 Mrd. Dollar Volumen, die für Anleihenkäufe reserviert wären, komplett streicht oder nochmal 5 Mrd. Dollar bis in den November stehen lässt.

In diesem Thema scheint auf den ersten Blick keine sonderliche Spannung zu liegen. Doch bedenken Sie: Viele institutionelle Investoren rechnen immer noch mit dem ursprünglichen Zeitplan, wonach die Fed sechs Monate nach Auslaufen der Anleihenkäufe eine erste Zinserhöhung vornehmen könnte. Und bei Investitionssummen, wo es oft bereits auf die dritte oder sogar vierte Nachkomma-Stelle bei der Rendite ankommt, kann das zur entscheidenden Frage über Gewinn oder Verlust werden.

Mit der nun geschaffenen Klarheit – vorausgesetzt, die Konjunktur spielt mit – können die Investoren gut leben. Was auch die positive Börsenreaktion zeigt.

 

Der Leitzins bekommt ein weiteres Steuerungsmittel an die Seite gestellt

Natürlich operiert die Notenbank generell nicht nur mit dem Leitzins – in Amerika Federal Funds Target Rate genannt. Doch steht dieser bislang im Mittelpunkt. Beim geplanten Ausstieg soll das nach dem Willen vieler Notenbänker nicht mehr so sein. Denn man will auch dem bisherigen Zinssatz mehr Gewicht verleihen, mit dem derzeit die Überschussreserven der Geschäftsbanken bei der Notenbank verzinst werden.

Klingt sicher etwas kompliziert, bedeutet aber vereinfacht, dass die Fed hier mit einer Verteuerung des Zinssatzes Liquidität aus dem Markt abschöpfen könnte und gleichzeitig das Niveau am Geldmarkt beeinflussen kann, das sich an den entsprechenden Zinsvorgaben der Fed orientiert.

 

Das gute Umfeld für Aktien bleibt vorerst

Im Fazit für Sie: Die Fed hat in ihrem jüngsten Protokoll eine Vorstellung davon gegeben, mit welchem „Baukasten“ sie in der Lage wäre, die bisherige ultra-lockere Geldpolitik einzufangen und das Zinsniveau am Markt hochzutreiben. Allerdings macht sie auch klar, dass die Pläne weiterhin von der Konjunkturentwicklung abhängen und auch nicht den Markt überfordern sollen.

Eine gute Nachricht für Sie, da Sie damit zumindest mittelfristig weiterhin mit niedrigen Zinsen und damit einem guten Umfeld für den Aktienmarkt kalkulieren können.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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