Vergangene Woche hat die Staatsschuldenkrise die Euro-Kernländer erreicht

Vergangene Woche hat die Staatsschuldenkrise die Euro-Kernländer erreicht

Auch europäische Banken trauen einander immer weniger über den Weg. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, parken sie es bloß bei der Zentralbank. Dass es dort deutlich niedrigere Zinsen gibt, wird dabei in Kauf genommen.

Alles, was aktuell noch zählt, ist Sicherheit.

Das gilt ebenso für viele deutsche Privatanleger. Sie sind aus Aktien und Investmentfonds geflüchtet. Das abgezogene Geld ist überwiegend auf Tagesgeldkonten gewandert. Der Grund liegt auf der Hand:

Niemand weiß, wie es weitergeht. Hohe Liquidität ist deshalb Trumpf.

Dank 100.000-€-Staatsgarantie und Einlagensicherung gehen Sie mit Tagesgeld kaum ein Risiko ein. Gerade bei den eigenkapitalschwachen Banken sind solche Einlagen von Privatanlegern hoch willkommen. Einige bieten deshalb Zinsen, die – vor Abgeltungsteuer – die Inflationsrate einigermaßen ausgleichen.

Das Problem der negativen Realzinsen habe ich im Brief der Vorwoche an dieser Stelle angesprochen. Ergänzend dazu: Wenn Geldanlagen nicht länger arbeiten können, läuft das auf eine Enteignung hinaus. Auf der einen Seite ist das eine Folge der Inflation, auf der anderen Seite der Steuerbelastung.

Im Zuge der Euro-Schuldenkrise werden die Regierungen um Steuererhöhungen nicht herumkommen. Es ist lediglich noch eine Frage der Zeit, wann in Deutschland ein Solidarbeitrag für Europa fällig wird.

Ob Vermögensteuer oder höhere Abgeltungsteuer: Anleger werden die Zeche zahlen.

Geld auf Konten kann für eine gewisse Zeit durchaus die richtige Strategie sein, um Risiken zu vermeiden.

Wird das allerdings dauerhaft praktiziert, ist die Gefahr der schleichenden Enteignung besonders groß.

Allenfalls psychologisch schmerzt der Kaufkraftverlust weniger als unmittelbare Kurseinbußen.

Wer dem entgehen will, wird deshalb wohl oder übel kleinere Unwägbarkeiten in Kauf nehmen müssen. Dazu gehören auf jeden Fall Aktien. Fest steht: Irgendwann werden sich die Börsen wieder stabilisieren. Aktuell sind sie stark belastet – nicht nur wegen der Euro-Krise, sondern auch durch Rezessionssorgen. Nehmen diese Befürchtungen in den nächsten Monaten zu, könnte das jedoch ein guter Kaufzeitpunkt sein.

Wer dann zu lange liquide bleibt, könnte einen Großteil der sich bietenden Chancen verpassen.

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 47/2011)

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