Neue Index-Rekorde: Was nun?

Indizes auf Rekordjagd

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Was für eine Woche liegt hinter uns. Die Märkte legten zu, als gäbe es kein Morgen.

Der DOW JONES konnte das erste Mal in seiner Geschichte zwischenzeitlich über die Marke von 15.000 Punkte steigen.

Und der DAX beendete die Woche bei 8.122,29 Punkten und damit auf dem höchsten Schlusskurs in seiner 25-jährigen Geschichte.

 

Die Notenbanken sorgen für Treibstoff

Den nötigen Brennstoff für diese Rallye lieferten die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks.

Während die amerikanische Fed weiter bereitsteht, im Notfall ihre Anleihenkäufe weiter zu intensivieren, lockerte die Europäische Zentralbank erwartungsgemäß ihren eigenen Leitzins.

Dieser liegt nun auf dem historischen Tief bei 0,50%. Das wurde an der Börse ausgiebig gefeiert. Warum eigentlich?

 

Können Zinssenkungen noch Wirkung haben?

Die Absenkung um weitere 25 Basispunkte war im Kern nichts anders als Symbolpolitik. Und sie wird an der derzeitigen Lage vor allem in den Peripherieländern nicht das Geringste ändern.

Ob der Leitzins nun bei 0,75% oder 0,50% oder vielleicht auch noch mal bei 0,25% liegen würde – Am Kern der Krise rütteln solche Zinssätze nicht.

Denn auf der einen Seite stehen die Kreditinstitute. Die vergeben Kredite nur zu immer strengeren Bedingungen. Was auch verständlich ist, da sie ja selbst durch die Politik und die zahlreichen neuen Regularien dazu angehalten werden.

Auf der anderen Seite stehen die Firmen, insbesondere aus dem Mittelstand. Sie verschwenden angesichts der Konjunkturflaute in vielen Märkten gar keinen Gedanken daran, sich ausgerechnet jetzt neu zu verschulden oder zu investieren.

 

Börse hofft dennoch auf neuen Wachstumsschub

Solch eine negative Patt-Situation lässt sich mit einer kleinen Lockerung des sowieso schon weit geöffneten Liquiditätshahns nicht auflösen.

Insofern kann ich zwar die erste Reaktion der Börse gut verstehen. Schließlich hat sie ihren Willen bekommen.

Doch die Rechnung, dass nun neue Wachstumsdynamik aufkommt – immerhin einer der wichtigsten Kaufgründe bei Aktien – wird zumindest jetzt noch nicht so richtig aufgehen können.

Und noch eine andere Begründung für die Rallye ist kritisch zu betrachten. Denn es wurde ja auch zu Recht darauf hingewiesen, dass die Rallye am Aktienmarkt deshalb stattfindet, weil durch die tiefen Zinsen die anderen Anlageformen, wie Anleihen oder Tagesgeld, immer unattraktiver werden.

Doch Hand aufs Herz: Für wie belastbar halten Sie einen Aufschwung, der nur darauf basiert, dass die Anleger das Kleinere von zwei Übeln wählen?

 

Märkte gehen in nachrichtenarme Woche

Meine Befürchtung: In den kommenden Tagen sind wirklich wichtige Konjunkturdaten, insbesondere aus Amerika, Mangelware.

Das könnte so manchem Börsianer Zeit geben, über die bisherige Rallye und die erreichten Bewertungen nachzudenken.

Und nachdenken heißt an der Börse sehr oft auch verkaufen.

Deshalb bleibt meine Empfehlung aus der Vorwoche aktuell: Kurzfristige Trades sind weiter möglich, doch an Absicherungen sollte ebenfalls gedacht werden.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.deutscher-wirtschaftsbrief.de“

Bildnachweis: Gevestor

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